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JIHOSTROJ (1919-2019) Hundert Jahre Industrieunternehmen in Velešín

Die Geschichte der Gesellschaft Jihostroj, des tschechischen Marktführers im Fachbereich Hydrauliksysteme und Flugzeuggeräte, begann im Jahre 1919. Damals wurde kurz nach der Ausrufung der Tschechoslowakischen Republik ein Industrieunternehmen in Velešín gegründet, an dessen Traditionen die heutige Firma Jihostroj anknüpft.
Die südböhmische Gemeinde  Velešín entstand im 13. Jahrhundert in der Nähe des damaligen Handelswegs. Diese Landgemeinde, die von der Hauptstadt weit entfernt war, war lange zurückgeblieben. Menschen, die ein besseres Leben wünschten, verließen sie oft. Das tat auch Jan Hans, der die Arbeit in einer Fabrik für Elektroteile in Wien gefunden hat.
Nach der Ausrufung der Unabhängigkeit der Tschechoslowakei  kam Jan Hans aus Österreich in die Vaterstadt Velešín zurück. Er wollte seine Kenntnisse unter den Bedingungen des neuen Staats verwerten. Mit der Gründung des Unternehmens halfen ihm sein Verwandter Jan Crkva, Bürgermeister der Gemeinde Velešín, und Mitschüler Josef Bürger, der bedeutende Funktionen in der Hauptstadt Prag vertrat.
Firma JEVAN entstand am 1. März 1919. Diese Gesellschaft, die erste Vorgängerin der heutigen Firma Jihostroj, produzierte Telegraphen und Telefone. Das Unternehmen profitierte von der Tatsache, dass die junge Republik das Ziel hatte, das Kommunikationsnetz auf ihrem ganzen ländlichen Gebiet aufzubauen.
Ähnliches Sortiment lieferten in der Tschechoslowakei drei Unternehmen. Das größte Unternehmen war Telegrafia, an dem der Staat den Mehrheitsanteil hatte. Im Jahre 1920 wurden alle drei * Unternehmen unter dem Namen Telegrafia vereint. Aus der Firma in Velešín wurde die Niederlassung der Gesellschaft Telegrafia, die den zentralen Sitz in Pardubice hatte.
Die Zentrale der Gesellschaft Telegrafia entschied sich im Jahre 1925, die Produktion nach Pardubice zu verlagern. Die Arbeitnehmer konnten aus Velešín  umsiedeln, aber dieses Angebot wurde nur von einem Drittel ausgenutzt.

Ein Teil der Mitarbeiter gründete unter der Leitung  von Jan Hans die Genossenschaft mit dem Namen „Radio“. Dieser Name spiegelte das Produktionsprogramm, das zum Teil aus Funkempfängern bestand. Die ehemaligen Arbeitnehmer der Gesellschaft Telegrafia konnten das ursprüngliche Gebäude nicht nutzen, daher baute die Firma in der Nachbarschaft ein neues Objekt. Die Genossenschaft „Radio“ wurde im Jahre 1934 infolge der Wirtschaftskrise aufgelöst.
Die Gebäude von der Firma Telegrafia wurden von Eduard und Emil Štejnar aus České Budějovice gekauft, die mit der Herstellung der Möbelbeschläge beschäftigt wurden. Die Gebrüder Štejnar erweiterten den Betrieb und im Jahre 1928 verlagerten sie nach Velešín die ganze Produktion ihrer Firma. Diese Firma hatte dann den Namen „Gebrüder Štejnar –Metallwarenfabrik in Velešín“.
In der Zeit der großen Wirtschaftskrise musste die Firma die meisten Arbeitnehmer entlassen, aber sie blieb lebensfähig. Der Umbruch ihres Urteils trat mit dem Eintritt von Antonín Železný im Jahre 1933 ein. Zelezny, Fachmann für Flugzeuggeräte, heiratete die Tochter von Eduard Štejnar und ließ sich überzeugen, bei der Modernisierung des Unternehmens zu helfen.

Antonín Železný führte die rationelle Arbeitsorganisation ein. Das Produktionsprogramm erweiterte er um kompliziertere Produkte, zum Beispiel um Vergaser. Ein Teil der Fabrik arbeitete unter dem neuen Namen „Luftfahrt-Hilfsindustrie, Ing. Antonín Železný“. Ein wichtiges Programm in diesem Fabrikteil wurde die Produktion von Kraftstoffventilen, Hähnen und hydraulischen Flugzeuggeräten. Der andere Unternehmensteil produzierte weiterhin die Metallwaren. Beide Teile wurden im Jahre 1938 zum Unternehmen Jikov verbunden. Die Gesellschaft, die bereits durch Antonín Železný beherrscht wurde, erweiterte ihre Produktion von Haushaltsverbrauchern.
Nach der Okkupation Böhmens und Mährens durch Nazi-Deutschland  im Jahre 1939 wurde Jikov der deutschen Wehrmacht unterstellt und musste Teile und Geräte für deutsche Luftwaffe
herstellen. Die Belegschaftsstärke wurde bis auf 1500 erhöht. Der Eigentümer und seine Mitarbeiter waren im Volkswiderstand tätig, sie halfen Familien politischer Häftlinge sowie flüchtigen russischen Gefangenen.

Nach der Befreiung kam es in der Tschechoslowakei zur Verstaatlichung aller Unternehmen über 500 Arbeitnehmer. Dies betraf auch die Gesellschaft Jikov. Es folgte Zeit der organisatorischen Veränderungen, in denen die Fabrik in Velešín durch Beamte unter die Gruppe Motor Union und unter den Flugtriebwerkhersteller Motorlet eingegliedert wurde.
Die übergeordneten Organe wiesen im Rahmen der Zentralplanung dem Werk Velešín am Anfang der 50-er Jahre ein umfangreiches luftfahrttechnisches Programm zu. Dies waren vor allem Geräte und Teile für den Motor, der für den Antrieb der Jagdflugzeuge MiG-15 diente. Das Sortiment der Flugzeuggeräte wurde dann schnell erweitert. Zu den wichtigsten gehörten die Geräte für das Transportflugzeug Avia Av-14, was die Lizenzversion des sowjetischen Flugzeugs Iljušin Il-14 war.
Im Jahre 1953 wurde der Betrieb in  Velešín von Motorlet ausgeschlossen und es entstand das Nationalunternehmen Jihočeské strojírny, abgekürzt als Jihostroj. Später wurde Jihostroj der Vereinigung  von tschechoslowakischen Luftfahrtunternehmen Aero mit dem Sitz in Prag angeschlossen. Diese Anordnung wurde bis 1990 nicht wesentlich geändert.
In der zweiten Hälfte der 50-er Jahre stellte sich heraus, dass das Unternehmen nicht nur von der Produktion der Flugzeuggeräte existieren kann, weil diese häufigen Nachfrageschwankungen unterlag. Es war notwendig, auch mehr stabile Produktionsprogramme zu finden. Solches erste Programm war die Produktion von Weitwinkelprojektoren für große Kinosäle und Freilichtkinos. Im Jahre 1958 hatte das Unternehmen noch eine Aufgabe bekommen, es sollte hochtourige Zentrifugen herstellen.
Einen grundsätzlichen Umbruch brachte erst die Produktion von Zahnradpumpen für Servolenkung-Kreisläufe von LKWs der Marke Tatra und Hydraulik für Zetor-Traktoren. Die Herstellung von Produkten für Hydrauliksysteme stellt seitdem den zweiten tragenden Fachbereich der Gesellschaft dar.
Das Sortiment von hydraulischen Elementen seit Ende der 50-er Jahre wurde kontinuierlich erweitert. Es kamen weitere Pumpentypen für die Servolenkung von Kraftfahrzeugen, für die Arbeitshydraulik von Traktoren,, Gabelstaplern und weiteren Maschinen dazu.
Im Jahre 1959 entstand in der Firma Jihostroj eine auf die Entwicklung von Flugzeuggeräten orientierte Entwicklungsabteilung. Im Jahre 1962 wurden in die Produktion die Geräte für Strahltrainer Aero L-29 Delfín, insbesondere die Kraftstoffregelung des Motors M701 eingegliedert.

 

Das Unternehmen begann in dieser Zeit auch Anlagen für die Reduzierung der Staubbildung im Tiefbau herzustellen. Diese Anlagen blieben dreißig Jahre in der Produktion. Demgegenüber wurde Herstellung großer Projektoren beendet, weil in den Markt ein technisch mehr ausgereifter Typ gebracht wurde.
Die siebziger Jahre bedeuten für Jihostroj eine Etappe von umfangreicher Investitionstätigkeit verbunden mit Entwicklung. Das Unternehmen begann damals die Produktion von komplizierten Flugzeuggeräten, die in der modernisierten Form bis heute den Schlüsselbestandteil des Angebots bilden. In der Produktion erschienen zum ersten Mal die Hilfsenergieeinheiten (APU) für das Motorstarten. Jihostroj begann auch die Produktion von Geräten für Propellerturbinenluft-strahltriebwerke M601 und Transportflugzeuge L-410. Zuerst handelte es sich um die Kraftstoff-pumpe und den Kraftstoffregler, später kam der Propellerregler dazu.
Im Fachbereich Hydraulik wurde das Projekt der Produktionskonzentration von Zahnradpumpen vorbereitet. Der Bedarf nach Aggregaten der mobilen Hydraulik in der Tschechoslowakei war immer größer, wobei es zweckmäßig wurde, deren Produktion zu vereinigen. Das Ziel war, ein Baukastensystem herzustellen, das die Kombination von Teilen nach Kundenwunsch ermöglichte. Daher entstand ein Projekt der unifizierten Pumpenreihe in drei Baugrößen. Jihostroj wurde so nach dem Jahr 1976 praktisch zum Monopolhersteller von Zahnradpumpen für die ganze Tschechoslowakei. Diese Produkte fanden in LKWs, Autobussen, Gabelstaplern, Bau-, Landwirtschafts- und weiteren Maschinen ihre Anwendung.
Das Riesenwachstum der gefragten Produktion verursachte die Notwendigkeit, Kapazitäten sicherzustellen. Der Firma Jihostroj wurde daher im Jahre 1971 ein Produktionsbetrieb angeschlossen, der sich in der Stadt Kaplice befand. Im weiteren Zeitraum kam die größte Erweiterung des Unternehmens in der Geschichte.  Neben den Investitionen in eigene Produktion regte die Firma Jihostroj den Wohnbau in Velešín sowie in Kaplice an. In diesen Städten wurden Siedlungen für neue Mitarbeiter gebaut. Während im Jahre 1970 im Unternehmen nur 1790 Mitarbeiter beschäftigt waren, im Jahre 1985 waren es schon 3332 Mitarbeiter.
Im Jahr 1982 wurde in Český Krumlov der Grundstein des dritten Betriebs gelegt. Im Laufe der 80-er Jahre hat man den Wohnbau in Velešín, Kaplice sowie Český Krumlov fortgesetzt, entstanden sind Gesundheitszentren, Kinderkrippen und Erholungsanlagen. Unter Förderung der Firma Jihostroj wurden in Velešín ein Kino, Kulturhaus und in der Stadt Kaplice Wohnheime und ein Rehabilitationszentrum gebaut. Das Unternehmen kaufte eine Liegenschaft in České Budějovice, wo der Bau eines Technologie Zentrums geplant wurde und begann, die Berufsschule in Velešín zu bauen.
Die Fertigungshallen wurden mit den damals modernen Produktionstechnologien ausgestattet. Es handelte sich zum Beispiel um Automaten für die Bearbeitung von Flugzeugmaterialien und die ersten nummerisch gesteuerten Maschinen.
Die größten Kunden von Jihostroj im hydraulischen Fachbereich waren die Unternehmen Tatra Kopřivnice, Liaz Jablonec nad Nisou, Zetor Brno, Desta Děčín, ČKD Slaný, Slovácké strojírny Uherský Brod und Karosa Vysoké Mýto. Luftfahrttechnische Erzeugnisse wurden insbesondere für Motorlet Praha, Aero Vodochody, Let Kunovice, PBS Velká Bíteš, Moravan Otrokovice und viele Reparaturbetriebe bestimmt.
Das extensive Wachstum kam aber am Ende der 80-er Jahre schnell zu Ende und seine negativen Seiten kamen zum Vorschein. Dies war insbesondere im Rahmen der Gruppe von Flugzeugherstellern markant, die sich auf die Sowjetunion und weitere Ostmärkte orientierten.
Mit Ausnahme der mehr behutsamen Tschechoslowakei wurde das Wirtschaftsleben der Länder des Ostblocks durch die Schuldenlast beeinträchtigt. Die bisherigen wesentlichen ausländischen Abnehmer von tschechoslowakischen Flugzeugen waren schon fast nicht in der Lage, für die Ware zu zahlen. Gegenüber den Voraussetzungen wurden die Anforderungen an Transportflugzeuge L-410 reduziert, was Moskau mit ihrem angeblich übertriebenen Preis begründet, sowie die Militärflugzeuge L-39. Der ausgeübte Druck auf die Preissenkung der luftfahrttechnischen Produkte stellte für die Firma Jihostroj im Jahr 1988 einen Umsatzrückgang von den geplanten 578 Millionen Kronen auf 516 Millionen Kronen dar. Dies hatte eine negative Auswirkung auch auf die Umsatzrentabilität.
Im Jahre 1988 trat ein neues Staatsunternehmensgesetz in Kraft. Demgemäß sollten die Unternehmen mehr für ihr Wirtschaften verantwortlich sein und in der Geschäftsleitung erschienen auch Selbstverwaltungselemente. Die ganze Gruppe Aero, zu der die Firma Jihostroj gehörte, hat sich durch die Transformation zum Staatsunternehmen des Konzerntyps verändert. Die einzelnen ehemaligen Nationalunternehmen, d.h. auch Jihostroj wurden Konzernunternehmen.
Auch wenn die Flugzeug- und Motorhersteller die klare Aussicht des Absatzes verloren, produzierten sie gemäß dem Plan weiter mit dem Risiko, dass die Erzeugnisse als Ladenhüter enden.


Jihostroj produzierte aber auch hydraulische Anlagen, und so wurden an die Firma Anforderungen konzentriert, um in diesem Fachbereich die Produktion zu erhöhen.
Jihostroj kam darüber hinaus unter einen starken Druck wegen Fluggeräte-Entwicklungsprojekte. Es waren Geräte für das vorbereitete größere Transportflugzeug  L-610 mit Motoren M602 sowie die Geräte für Luftstrahltriebwerke DV-2. Der Kraftstoffregler für den Motor DV-2 ist aller Wahrscheinlichkeit nach das komplizierteste Gerät, das in der Firma Jihostroj entwickelt wurde. Dieser Motor stellt eine Antriebseinheit des Übungsflugzeugs L-59 dar, das unter dem Namen Super Albatros exportiert wurde.
Die Aero Konzernleitung hoffte, dass es mit diesen Neuigkeiten gelingt, den Ausfall im Vertrieb der bisherigen Erzeugnisse zu ersetzen und sich auf neuen Märkten durchzusetzen. Mit der neuen Generation der Militärübungsflugzeugen gelang dies aber nur im beschränkten Umfang und das Transportflugzeug  L-610 kam dann gar nicht in die Serienproduktion.
Die Unsicherheit im Rahmen des Konzerns Aero sowie persönliche Konflikte führten dazu, dass seit 1988 die Idee für eine Abspaltung überwog. Innerhalb der Firma Jihostroj äußerte sich gleichzeitig der Separatismus des Betriebs Kaplice. Der Konzern lehnte diese Bemühungen ab und erließ zum 1. Januar 1989 die Anordnung, entsprechend der die Firma Jihostroj ein Unternehmen des Konzerns Aero blieb, und nur den gekürzten Namen Jihostroj führte. Der Betrieb Kaplice blieb ebenfalls unter Jihostroj, die Fabrik in Český Krumlov nahm dann eine Position des Unternehmens in Velešín an.
Nach 17. November 1989 fiel das politische Regime und die Ereignisse liefen schnell ab. Noch vor Ende 1989 entschied die Geschäftsleitung der Firma Jihostroj, in der neuen Situation die Errichtung des selbständigen Staatsunternehmens zu beantragen. Dazu kam es dann im Jahre 1990.
Die selbstständige Firma Jihostroj musste aber mit einer schlechten Geschäftssituation kämpfen. Die meisten jahrelangen Kunden erlebten infolge des Zusammenbruchs der Ostmärkte eine Existenzkrise. Einige Kunden, wie zum Beispiel die Prager Firma Motorlet, bestellten zwar die Waren, waren aber nicht in der Lage für die Erzeugnisse zu zahlen. Die Firma Jihostroj wies so zwar einen Buchgewinn auf, von dem sie die Steuer abführen musste, hatte aber kein Geld. Das Unternehmen geriet in die schlimmste Existenzkrise seit 1925.
Im Rahmen der revolutionären Ereignisse wurde in der Firma Jihostroj über die Logo- und Namensänderung  diskutiert. Es erschien auch der Vorschlag „Aero Technology & Hydraulic“. Diese Worte ergänzten nur aber anschließend das Logo und das Unternehmen blieb bei seinem traditionellen Namen.
Es war allerdings klar, dass die Firma Jihostroj von ihren traditionellen Kunden nicht mehr leben kann. Die Hauptpriorität wurde die Bemühung, neue Geschäftspartner zu finden. Das Unternehmen orientierte sich am Anfang nicht in Westmärkten, und so wurden viele Schulungen, Kurse und Umschulungen veranstaltet.
Das Staatsunternehmen Jihostroj sollte zur Aktiengesellschaft transformiert und privatisiert werden. Im Handelsregister wurde zum 1. Mai 1992 die Firma Jihostroj a.s. eingetragen. Diese Gesellschaft absolvierte dann eine Kuponprivatisierung. Ihre Aktien konnten tschechoslowakische Bürger bestellen, und zwar entweder selbst, oder mittels Privatisierungsfonds.
Die Kupon-Privatisierungsmethode ermöglichte eine schnelle Entstaatlichung der Unternehmen, brachte aber kein Kapital und führte zum zersplitterten Eigentum. Nach Ende der Kuponprivatisierung hatte das Unternehmen über sechstausend Eigentümer. Darunter waren Einzelpersonen, aber auch Fonds, die sich bemühten, die Anteile von Kleinaktionären zu kaufen.
Im Laufe der Privatisierung hat sich die ökonomische Situation der Aktiengesellschaft radikal verschlechtert. Erlöse wurden reduziert, der Verlust wurde immer größer. Es kam auch zu häufigem
Wechsel in der Geschäftsleitung,
Die Investitionsgesellschaft Rentia Brno versuchte, das Unternehmen zu sanieren. Die Vertreter des Investitionsfonds hatten aber keine praktischen Erfahrungen, die für die Lenkung eines großen Industrieunternehmens notwendig waren. Es wurde immer mehr klar - ohne eine erfahrene Person an der Stelle des Generaldirektors gibt es keine Zukunft.
Kurz nach der Privatisierung begann Eduard Železný, Sohn des Vorkriegsdirektors, die Firma Jihostroj zu besuchen. Das Unternehmen konnte ihm nicht zurückgegeben werden, weil die vor 1948 nationalisierten Gesellschaften den Restitutionen nicht unterlagen, aber er gehörte zu den Aktieninhabern von der Kuponprivatisierung. Er war der Meinung, dass die Rettung des Unternehmens davon abhängig ist, dass die Geschäftsleitung ein fähiger Manager übernimmt und er begann diesen zu suchen.
Das war nicht leicht, weil die Situation der Gesellschaft schien fast aussichtslos zu sein. Keiner der ursprünglich ausgewählten Kandidaten wollte Prag wegen einer absolut unsicheren Zukunft verlassen. Eduard Železný bekam dann einen Hinweis auf den Manager und Techniker von der südböhmischen Firma ČZ Strakonice. Dank dieser Empfehlung kam er mit dem Vorschlag für einen neuen Generaldirektor. Mitte 1994 trat in das Unternehmen Jiří Gerle ein.
Nach Eintritt des neuen Generaldirektors kam es zur fortlaufenden Stabilisierung. Für die Überbrückung des schlimmsten Zeitraums stellte vor 1990 beschaffenes umfangreiches unbewegliches Vermögen  einen Vorteil der Firma Jihostroj dar. Der Verkauf dieser unbrauchbaren Liegenschaften rettete die Firma vor dem finanziellen Bankrott.
Der neue Generaldirektor entschied entsprechend eine Analyse, dass die Firma Jihostroj nach keinem neuem Produktionsprogramm suchen und anstatt dessen die Produktion von Flugzeuggeräten und Hydraulik Komponenten weiterhin entwickeln soll.
Die Anfrage bei inländischen Herstellern von neuen Flugzeugen blieb aber erfolglos. Den Hauptteil der luftfahrttechnischen Produkte der Firma Jihostroj bildeten daher in 90-er Jahren nur Ersatzteile und Generalüberholungen der Geräte für große Menge von  Transportflugzeugen  L-410, die ursprünglich in den innerstaatlichen Linien in der ehemaligen Sowjetunion flogen und von da zu weiteren Besitzern in der ganzen Welt kamen. Es gelang, die überschüssige Kapazität im luftfahrttechnischen Teil der Firma Jihostroj dank der Produktion der chirurgischen Geräte auslasten. Es handelte sich um pneumatische orthopädische Bohrmaschine, chirurgische Sägemaschine und Vibrationssäge für Gipsverbände.
Die Produktion von Hydraulikomponenten nahm am Anfang der 90-er Jahre auch sehr rasch ab. Im Jahr 1989 produzierte Firma Jihostroj 263 tausend hydraulische Pumpen und Motoren, in nachfolgenden Jahren wurde diese Menge auf ein nicht ganzes Drittel reduziert. Dafür war die Situation der tschechischen und slowakischen Abnehmer verantwortlich. Der Firma Jihostroj gelang es aber schrittweise, für hydraulische Pumpen neue Kunden im Westen zu finden. Zu den ersten Kunden gehörten die italienischen Gesellschaften Hydrocar und OMFB.
Die Firma ging anfangs auch auf die Lohnarbeit für westliche Kunden ein. Der Generaldirektor Jiří Gerle, der zeitweise Eigentümer des Unternehmens wurde,  nahm diese Kooperationen als Brücke wahr, auf der die Firma Jihostroj über den Abgrund geht. Die Firma erhielt ihre eigenen Entwicklungsabteilungen und Prüfstellen. Die komplizierten hydraulischen sowie luftfahrttechnischen Anlagen, die die Firma Jihostroj zurzeit den Kunden anbietet, stellen das Ergebnis ihrer Eigenentwicklung dar.
Die wirtschaftliche Situation der Firma verbesserte sich schnell, es wuchsen Investitionen, Export und Arbeitsproduktivität. Als Relikt der Vergangenheit überlebte die Einteilung der Produktion in drei Lokalitäten noch einige Jahre. Der Betrieb Český Krumlov wurde im Jahr 1997 von der deutschen Firma Linde, Hersteller von Gabelstaplern gekauft. Der Betrieb Kaplice wurde dann von der österreichischen Firma Engel gekauft, in dem sie dann die Produktion der Kunststoff-Spritzgießmaschinen begann. Die Firma Jihostroj zog im Jahr 2001 in den Grundbetrieb in Velešín ein. Unter Berücksichtigung der riesigen Menge der Maschinen, die verlagert werden mussten, war dies eine außerordentlich komplizierte Aktion. Sie ermöglichte aber, die Produktion neu zu realisieren und die Kosten zu reduzieren.
Der Firma Jihostroj gelang es, eine langfristige Zusammenarbeit mit dem Geschäftsbereich für luftfahrttechnische Produkte der amerikanischen Korporation Parker Hannifin mit dem Sitz in Irvine, Kalifornien, USA aufzunehmen. Zur Firma Parker nahmen fortlaufend viele bedeutende Kunden zu. Zum Beispiel Honeywell, Crane Aerospace, Safran Group, Samsung Techwin und weitere.
Auch viele traditionelle Kunden des Geschäftsbereichs für luftfahrttechnische Produkte der Firma Jihostroj kamen zu Kräften. Die Produktion von Propeller-Turbinen-Luftstrahltriebwerken in Prag setzt die Gesellschaft GE Aviation Czech fort. Weitere inländische Kunden sind PBS Velká Bíteš, Aero Vodochody Aerospace und die damalige Firma Let Kunovice, die zurzeit unter dem Namen Aircraft Industries tätig ist.

Im Fachbereich Hydraulik knüpfte Jihostroj  Beziehungen mit der Gesellschaft Sachsenhydraulik aus der ostdeutschen Stadt Chemnitz an, die im Jahr 1994 von der amerikanischen Gesellschaft Commercial Intertech gekauft wurde, was zur schnellen Entwicklung der gegenseitigen Zusammenarbeit führte. Im Jahr 2000 wurde diese amerikanische Firma vom  Geschäftsbereich für Hydraulik der Gesellschaft Parker Hannifin übernommen. Durch diese Übernahme sind  zwei strategische Partner der Firma Jihostroj zu einem, heute dem größten Kunden, verschmolzen.
Die Geschäftsbeziehungen mit der Gesellschaft Parker Hannifin stellten eine erstklassige Referenz dar. Schrittweise nahmen weitere große Kunden zu. Jihostroj änderte sich so zum wesentlichen Exportunternehmen, dessen größter Auslandsmarkt die USA sind. Zu weiteren bedeutenden ausländischen Kunden gehören deutsche, französische, italienische, israelische, südkoreanische und russische Firmen.
Die Erzeugnisse von der Firma Jihostroj konnte man  in verschiedenen Anlagen sehen. Von Flugzeugen und Fahrzeugen aller Art über Bau-, Land-, Manipulations- und Kommunalmaschinen so wie Windkraftwerken.
Die Gesellschaft hat die grundsätzliche Renovierung ihres Geländes von 15 Hektar durchgeführt, die einige Jahre dauerte. Die Gebäude wurden wärmegedämmt und revitalisiert, die Produktion wurde verlagert, viele alte Objekte wurden abgebaut, die Ausbesserung der Verkehrswege wurde fertiggestellt und die Heizung wurde dezentralisiert, was große Einsparungen mit sich brachte.
Firma Jihostroj tritt ins hunderte Jahr ihrer Existenz als stabile und technologisch ausgereifte Firma ein. Sie schenkt die systematische Aufmerksamkeit den Innovationen, dem technischen Niveau ihrer Erzeugnisse und deren Spitzenqualität.
Das Produktionsprogramm des Geschäftsbereichs für luftfahrttechnische Produkte der Firma Jihostroj umfasst zurzeit vier Teile: Neben den Systemen der Kraftstoffregelung von Motoren handelt es sich um Regelungssysteme der Kraftstoffversorgung für Hilfsenergieeinheiten, Propellerregelsysteme, sowie Geräte des Hydraulik- und Kraftstoffsystems.
Der größte Abnehmer der Systeme der Kraftstoffregelung für Motoren ist die Firma GE Aviation. Die Regelungssysteme der Kraftstoffversorgung für Hilfsenergieeinheiten werden durch die Firma Jihostroj an Hubschrauberhersteller verkauft; zu den Abnehmern gehören zum Beispiel die Firma Korea Aerospace Industries, die die Hubschrauber Surion montiert, so wie italienische Firma Leonardo mit dem Hubschrauber AW189. Die Propellerregelsysteme bietet Firma Jihostroj ihren Kunden in vielen Varianten. Nur in den USA dienen den Piloten ungefähr sechstausend Drehzahlregler aus Velešín.
Im Geschäftsbereich Hydraulik stellt zurzeit die Firma ungefähr ein Viertel Million von Zahnradpumpen und Hydromotoren her. Das Sortiment dieser Waren ist in der Firma Jihostroj sehr breit, umfasst ungefähr 20 tausend Varianten, die meistens nach Bedarf der einzelnen Kunden hergestellt werden.
Firma Jihostroj hat auch die Absicht, einen Montagebetrieb in Russland zu errichten.
Jihostroj beschäftigt sich aber nicht nur mit der Produktion. Sie arbeitet eng mit den Oberschulen und Hochschulen zusammen, bemüht sich gute Bürgerin ihrer Stadt zu sein, unterstützt Vereine und Sportklubs.
Das Unternehmen überwand erfolgreich während seiner Existenz die Missgunst des Urteils, grundsätzliche politische Umstürze sowie tiefe Wirtschaftskrisen.
Erfahrungen, Ausbildung und handwerkliches Können der Mitarbeiter von Jihostroj stellen dabei die Garantie dar, dass die ausgereifte Maschinenproduktion in Velešín weiterhin entwickelt werden kann.